Burnout

Vortrag Brennstoffhändlerverband, Münsingen, 31.3.2010
lic.phil. Hans-Peter Hari Britsch, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP
 

Burnout ist eine Erschöpfungskrankheit, die wenn sie zum Ausbruch kommt meist eine längere Geschichte schon hinter sich hat. Burnout ist nicht einfach eine Ermüdungserscheinung, sondern es ist ein Erschöpfungs-zustand, bei welchem die inneren Batterien über lange Zeit leer gelaufen sind.

Von einer Ermüdung erholen wir uns rasch wieder mit ausreichend Schlaf und Abschalten-Können sind wir bald wieder fit. Nicht so bei einem Burnout-Syndrom, bei dem der Ladestand der Batterie so weit und über allzu lange Zeit so tief abgesunken ist, dass sie kaum mehr lädt.


 Risikogruppen­

- Burnout ist etwa als Managerkrankheit bekannt.
- Betroffen sind noch häufiger Menschen in sozialen Berufen
  (z.B. Lehrer, Sozialarbeiter usw.)­
- Berufstätige Frauen mit Familien.­
- Kann Menschen jeden Alters in fast allen Berufssparten treffen.


Das Burnout-Syndrom ist für Betroffene mit grossem Leiden, oft mit Verzweiflung, manchmal mit Suchtentwicklungen, somatischen Krankheiten verbunden und kann bis zu Suizidgedanken – und handlungen führen.

Neben dem individuellen Leiden stellt eine zunehmende Zahl von ausgebrannten Menschen auch ein volkswirtschaftliches Problem dar:

Volkswirtschaftliche Bedeutung

­Jährliche Kosten laut Seco in der CH:­
- 1,4 Mia med. Versorgung­
- 350 Mio Selbstmedikation­
- 2,4 Mia Produktionsausfall
 

Definition

­Burnout ist eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund andauernder emotionaler Belastung im Zusammenhang mit langfristigem, intensivem Einsatz für andere Menschen.


Was fällt uns auf bei der Betrachtung dieses Bildes?

Ein Hölzchen ragt über die anderen hinaus und leuchtet ganz alleine vor sich hin. Es ist fraglich, ob dieses Hölzchen so weit abbrennen kann, bis es die anderen entzünden und damit deren Feuer mit entfachen kann. Wahrscheinlich wird es eher still für sich verkümmern und erlöschen und nichts bleibt übrig, nichts geht weiter.

Das hat etwas zu tun mit einer speziellen Gefährdungsposition auszubrennen.


Wer brennt aus?

­- Burnout trifft oft die besten Mitarbeiter, „high achievers“
- Hohes persönliches Engagement im Umgang mit anderen Menschen­
- Hoher Anspruch an sich selbst­
- Ethisches Verantwortungsgefühl­
- Schlechte Abgrenzungsfähigkeit



Burnout entsteht oft aus einem Gefühl heraus, vor sich selbst zu versagen. Man kann sich noch so sehr anstrengen und abstrampeln und es reicht nie. Das ist wie der Hamster im Rad, der seine Beinchen zwar immer schneller bewegen kann und er bleibt doch immer an Ort. Das kann zu Ohnmachts- und Sinnlosigkeitsgefühlen führen und zu schweren Erschütterungen im Selbstwertgefühl.

Es ist daher enorm wichtig, die persönlichen Ansprüche so anzusetzen, dass man ihnen genügen kann und sich realistische, erreichbare äussere Ziele zu setzen.

Wenn ich mir in meinem Beruf zum Ziel setze, einen psychisch schwer kranken Menschen innert nützlicher Frist zu heilen, dann bin ich wohl wie der Hamster im Rad. Ich muss also das Ziel umdefinieren, z.B. ihn dabei zu unterstützen, möglichst selbständig und mit wenig psychiatrischen Hospitalisationen zu leben. 
 

Wie ich einleitend bereits gesagt habe, zieht sich die Entwicklung eines Burnouts oft über viele Monate hin, in welcher betroffene Menschen verschiedene Phasen und Symptome erleben.

Symptome / Verlauf

- Gesteigerter Einsatz
-
Rückzug, „Schlamperei“, innere Kündigung­
- Gereiztheit, Aggression, Depression­
- Schlafstörungen, diverse Schmerzen, Suchtentwicklung­
- Leistungsabbau­
- Erschöpfung, Verzweiflung, Selbstwert-problematik, Suizidalität

 

Ursachen für die Entwicklung eines Burnouts sind oft vielfältig. Es spielen die Bedingungen am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle, dann persönliche Faktoren wie z.B. besonderer Ehrgeiz, dann spielen private Beziehungen eine wichtige Rolle. Sie können stabilisierend sein, aber auch – wenn’s nicht gut läuft – zum Burnout beitragen.

Stress am Arbeitsplatz

­- Zu grosse Arbeitsmenge­
- Unklare Erwartungen ­
- Unklare Verantwortungsbereiche­
- Wenig Handlungsspielraum­
- Teamkonflikte, Mobbing­
- Keine bzw. negative Rückmeldungen­
- Lange Arbeitszeiten­
- Unzufriedene Patienten / Kunden­
- Konflikte im privaten Umfeld

Innere Belastungen

­- Falsche Selbsteinschätzung­
- Übermässiger Ehrgeiz­
- Anspruch von allen geliebt zu werden oder es allen recht zu machen
- ­Selbsttadel, Selbstbeleidigung, Selbstkränkung

Die Ansprüche, die wir an uns selbst haben, müssen in einem fairen Verhältnis stehen zu dem, was wir sind, zum Leistungspotential, das wir haben, zum aktuellen Befinden und Gesundheitszustand.

Wir verändern uns, und auch unsere Leistungsfähigkeit ist nicht immer gleich. Tendenziell nimmt sie mit zunehmendem Alter ab. Dem muss Rechnung getragen werden. Es ist zwar möglich, dass wir unsere Fachkompetenz und unser Fachwissen, unsere Berufs- und Lebenserfahrung bis ins hohe Berufsalter ausweiten, verbessern und ausdehnen und dass wir diesbezüglich immer noch besser werden. Auf der andern Seite nimmt unsere Körperkraft ab, die Geschwindigkeit bei körperlichen und geistigen Arbeiten, das Gedächtnis nimmt ab; wir müssen mehr nachschauen, was wir früher auswendig gewusst hätten. D.h. wir brauchen länger und müssen uns diese Zeit auch erlauben. Das ist gemeint mit „fairer Leistungsanspruch“.

Wenn sich Symptome des Ausbrennens einzustellen beginnen aufgrund von z.B. Überlastung, vielleicht unklaren Strukturen oder Teamkonflikten und aufgrund von vielleicht unangemessen hohen Leistungsansprüchen, dann führt das häufig zu unglücklichen Wechselwirkungen, welche das Leistungspotential, das man ja in dem Falle erhöhen möchte, zunehmend schwächt; also zu Sekundärsymptomen.

Mögliche Folgen / Wechselwirkungen

­- Steigerung des Arbeitsaufwandes­
- Vernachlässigung der Freizeit und der Angehörigen­
- Familiäre Konflikte­
- Störungen im Ess-, Schlafverhalten
- ­Beruhigungsmittelkonsum­
- Mehr Alkohol-, Zigarettenkonsum


 
Eine solche Entwicklung gilt es in jedem Fall zu vermeiden.

Was also können wir tun, um in keine solchen ungünstigen Spiralen zu gelangen?

Burnout Prävention

- ­Bewusst werden des Problems­
- Verantwortung übernehmen für Gegenmassnahmen­
- Zeitplanung: Prioritäten setzen
- Ausgleich zwischen Leistung und Entspannung­
- Sich in Abgrenzung üben (nein sagen)­
-
Time out planen, Ferien­
- Nehmen Sie sich Zeit für Entspannung und/oder Aktivierung

Die Freizeitplanung gehört in den Terminkalender! 






 



 





Bei ersten Symptomen

- ­Merken, was ist: Tagebuch schreiben­
- Mit vertrauten Personen darüber reden­
- Aussprache mit Vorgesetzten­
- Entlastende Massnahmen­
- Psychotherapeutische Hilfe suchen

Man ist sein eigener Lebensunternehmer. Auf seiner ganz individuellen Lebensbühne sind wir immer die Hauptperson. Das heisst, es ist vorwiegend an uns, unser Leben, unsere Arbeit, unsere Freizeit und Erholungszeit, unsere Kontakte zu gestalten innerhalb der uns vorgegebenen Grenzen. 

Auf der anderen Seite ist es schon auch so, dass der Arbeitgeber eine Mitverantwortung hat und auch ein ureigenes Interesse daran, dass es seinen Mitarbeitern gut geht und dass sie nicht ausbrennen. 

Betriebliche Massnahmen

­- Aufgabenvielfalt­
- Gestaltungsfreiheiten, flexible Arbeitszeit­
- Ausreichende personelle Besetzung­
- Klare Strukturen und Zuständigkeiten­
- Balance: Zuständigkeiten und Kompetenzen­
- Betriebsklima: Interesse, Freundlichkeit­
- Laufbahnplanung, Weiterbildung
 


Jeder von uns braucht Erfolgserlebnisse. Und wie wir gesehen haben, hängt Erfolg auch von realistischen und fairen Ansprüchen und Erwartungen an uns selbst ab. Aber auch der Betrieb ist mit dafür zuständig, dass seine Mitarbeiter Erfolg verbuchen können in ihrer Tätigkeit. Das gelingt nicht bei allen Aufgaben gleich gut. Bei grossen Herausforderungen und schwierigen Aufgaben muss auch mal mit einem Misserfolg gerechnet werden. So gelingt es uns in unserer Branche nicht, alle Patienten zu heilen oder zufrieden zu stellen. Aber vieles gelingt, und es ist immer auch wichtig, uns selbst zu bestärken in dem was gut gelaufen ist und uns zu freuen darüber und die Misserfolge als das zu nehmen, was sie sind: Das nicht zu vermeidende Gewürz an den Speisen.