Kritische Selbstreflexion

Die Konzentration von Zusammenleben, Psychotherapie und  ev. interner Arbeit ist nicht für alle Hilfe suchenden Menschen geeignet. Für einige stellt aber genau diese Kombination eine grosse Chance und in der uns bekannten Heim- und Psychiatrieszene eine Marktlücke dar. Schwierige therapeutische Themen können dank dem Halt in der Familie angegangen und bearbeitet werden.

Wir können und wollen keine Eltern ersetzen. Lieber stellen wir uns nach Möglichkeit an ihre Seite, handeln in ihrem Auftrag und wirken somit ergänzend. In diesem Sinne verstehen wir uns als "ergänzende Therapie-Eltern".
Das Zusammenleben mit uns als Therapie-Eltern erleichtert die Aufnahme von neuen lebensfreundlichen Skriptbotschaften im Eltern-Ich der uns anvertrauten Menschen und erfordert andererseits von uns ein hohes Mass an Kongruenz und Authentizität.

Wir sind uns der Machtkonzentration bewusst, die wir vereinen durch unsere Rollen als "Eltern", Therapeuten und Arbeitgeber. Wir praktizieren einen transparenten Umgang damit und ermöglichen unseren Therapiegästen durch gemeinsam erarbeitete Zielsetzungen, Therapie- und Arbeitsverträge grösst mögliche Selbstbestimmung. Wir zeigen Möglichkeiten auf, reflektieren gemeinsam, beraten, bieten Hilfen an und überlassen die letzte Entscheidung für zu wählende Wege den uns Anvertrauten. Es geht um ihr Leben und um ihre Entscheidungen. Autonomie besitzt in unserer Wertehierarchie einen hohen Stellenwert.

Unser "Therapie- und Familienhaus" setzt sich im Wesentlichen aus drei Subsystemen zusammen, welche man sich als drei in einander geschachtelte Kreise vorstellen kann: Im Zentrum das Eltern- und Leitungspaar; im nächsten Kreis die Familie mit Eltern und vier Kindern und im äussersten Kreis der erweiterten Familie die Eltern mit vier Kindern und zwei MitbewohnerInnen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass jedes dieser drei Systeme für sich genährt werden muss und entsprechende gemeinsame Zeit braucht. Nur das Gleichgewicht dieser Systeme garantiert auf die Dauer eine stabile Basis für alle.

Wir stehen dazu, dass es klare Unterschiede gibt in unserer Beziehung zu den eigenen Kindern und zu den uns anvertrauten Gästen, lassen diese aber spüren, dass uns viel daran liegt, dass auch sie möglichst gute Chancen im Leben erhalten.

Die Teilnahme an unserem Familienleben regt zur Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunftssituation an und ist oft mit Trauerprozessen verbunden, gibt aber auch neue Ideen, Vorstellungen und Modelle eines Zusammen-lebens.

Das intensive Setting regt uns an, uns laufend über mögliche Uebertragungen, Gegenübertragungen und auch über unsere eigenen, mittelständischen Werthaltungen Gedanken zu machen. In regelmässigen Retraiten überdenken wir unsere Arbeit und ringen um einen hohen Bewusstheitsgrad in der therapeutischen und familiären Arbeit. Nach Bedarf beanspruchen wir Supervision.